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Veit Loehrs

Chic - beschickert - Schickeria

Trunken vor Glück, dabei zu sein, im organischen Körper der Schickeria. Nicht wissen, warum, aber wissen wozu, sagte Martin Kippenberger. In der Arena-Südkurve oder der Bar Babette. Im Zentrum des Diamanten und nicht 3mm daneben. Die Schickeria versteht sich als organischer Körper. Man selbst ist Teilhabe. Nicht gleich in der Neuen Nationalgalerie, von EON gesponsert, sondern zuerst mal im Autocenter, wenn's beliebt. Es schickt sich nicht an, gleich mit Sponsoren anzurücken und Logos abzudrucken. Das macht Kunst nicht bedeutender. Zu noble Getränke bei d er Vernissage und die Schickeria der Kunstbourgeoisie gleich im Marschgepäck, das verdirbt Magen und Stimmung. Die wahre Schickeria bevorzugt Tannenzäpfle im Sechserpack statt eines charmanten lieblichen österreichischen Chardonnay oder eines Pinot Grigio von Jacques Weindepot. Dann schon lieber einen Rebenschoppen vom Aldi im Tetrapack, Hauptsache eiskalt und trocken wie der erste Kontakt mit der Schickeria. Warm wird man mit ihr von alleine. Oder halbtrocken. Möglichst regelmäßig kommen, nicht vorlaut sein und immer dieselben Klamotten anziehen wegen des Wiedererkennungswertes. Wer in die Kunstschickeria hinein will, muss entweder Künstler sein, Kritiker oder Kurator. Das sind Worthülsen im rituellen Gehabe derselben. Geduldet werden auch Kleinsammler mit akademischem Beruf und jovialem Gehabe (ich habe die gesamte Druckgraphik von Andre Butzer). Anderssein jedoch findet nicht statt, wird von der Schickeria nicht geduldet, es sei denn als Füreinander im Gruppenbewusstsein. Widersprüche werden weggeräumt, denn gute Laune ist die Grundbedingung der Schickeria wie die Rechtsstaatlichkeit bei der Bundesrepublik.
Die Kunstschickeria braucht eine Stadt. Sie findet „in der Stadt“ statt und vermeldet artig in Facebook die Rückkunft aus dem Urlaub, um sich aufs Neue an der Teilhabe zu berauschen - oder zu beschickern - und andere, als die übrigen Komponenten des Schickeria-Corpus., davon wissen zu lassen.