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Tatjana Doll

Eine Sache unter Künstlern



Mich erreicht eine dieser E-mails, eine Einladung zur Beteiligung bei Schickeria. Diesmal geht es um Sport. Ein Rundschreiben unter Kollegen, unser kleines, riesiges Künstlernetzwerk. Alle kennen sich, wir begegenen uns immer wieder auf verschiedenen Eröffnungen, Clubs, Messen und so. Die übliche Schickeria eben.
Die, die mitmachen, können auf diese Form der Kunstsozialisation nicht verzichten, ob die Angst, nicht dazuzugehören, oder allein einfach gelangweilt, oder einfach Lust am Unterwegssein, Spass am Gossip, "echt, die Tate Modern hat was gekauft?". Wie sollte man all die Sachen sonst wissen, und wozu überhaupt gebrauchen ? Und auch Kunst ihrer Kunst willen gern, aber diese kleinen Präsente auf der Strecke, zu wissen, wer nun der sei. Dazu brauche ich das Vokabular, das ich in meinem Studio nicht lerne. Aber Schickeria ist unser Spaziergang, eine Erholstrecke, von Künstlern für Künstler. Dort wird das Schickeriavokabular vielleicht noch hingetragen. Aber unsere mottobezogenen Beiträge scheinen wild durcheinander gehängt, mein Ego ist befriedet, denn das gesamte Wandbild sieht super aus, ach wer hängt dort neben mir, ach das macht er jetzt, wie angenehm, nicht in der wie sonst zugedachten Zughörigkeit zu hängen. Darauf ist kein Verlass mehr, um die Divergenzen geht es.
Ein Wandbild, die Einzelbeiträge sind nur Teil des Ganzen. Man müsste annehmen, dass hier ein realer Querschnitt, der verschiedensten Künstler mit Wahlheimat Berlin gezeigt wird, denn die Schwerpunkte der Galerien verunsichern mich darin. Dort zeigen sich losgelöste Positionen, die durch Ähnlichkeit potenziert werden, als würden nur solche Dinge in Berlin entstehen. Positionen, die sich in der breiten Masse bereits durchgesetzt haben, um inflationär Profit zu schlagen. Da Berlin keine Kunsthalle und –verein hat, verlässt man sich drauf, aber wie angewiesen sind wir auf Reihen wie Schickeria.

Olivia Berckemeyer hat solche Möglichkeiten bereits in Düsseldorf mitinitiiert, Mayday is over, Spiel des Lebens, Veranstaltungen im Rahmen des hobbypopMuseums, und in Berlin die sexybar. Ich meine, sie darf den Anspruch erheben, Wandgemälde mitzeichnen zu können, sie hat schon immer in den Szenen mitgetan, sie wirklich kennt die Schickeria. Die Lässigkeit darin ist frappant, die liebevolle Hängung ein Verweis auf ihre eigene Arbeit, die Verweigerung die Liga zu spielen, höchster Respekt vor der Kunst ihrer selbst Willen und nicht ihrer Produktion wegen.
Und es ist eine Sache unter Künstlern, die Zusagen und Beiträge sind Ergebnis lebender Nebeneinander und nicht das einer Flurbereinigung oder ertragreichen Monokultur.

Tatjana Doll